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So lange warten Sie auf Ihren Steuerbescheid

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is zum 31. Mai haben Steuerzahler bislang Zeit, ihre Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen. Dann sind die Finanzbehörden an der Reihe. Doch eine Antwort lässt häufig auf sich warten. Das hängt wiederum vom jeweiligen Bundesland ab, denn je nach Wohnort des Steuerzahlers unterscheiden sich die Bearbeitungszeiten der Finanzämter. Das zeigt ein Vergleich des BdSt.

Im Rahmen der Auswertung war das schnellste Bundesland Hamburg. Für die Bearbeitung
aller Einkommensteuerfälle benötigte die Finanzverwaltung durchschnittlich 38 Tage. Dahinter liegen Berlin mit 43 Tagen und Sachsen- Anhalt sowie Brandenburg mit jeweils 44 Tagen. Doch nicht in allen Bundesländern waren die Finanzbeamten so flink. Die meisten Bundesländer brauchten 7 bis 8,5 Wochen (48 – 59 Tage). Viel Geduld mussten hingegen die Steuerzahler aus Mecklenburg-Vorpommern aufbringen. Die durchschnittliche Wartezeit betrug dort 66 Tage. Im Saarland und in Bremen wartete man mit durchschnittlich 69 bzw. 73 Tagen nochmals länger auf seinen Steuerbescheid.

Auch bei der Abwicklung der Arbeitnehmerfälle war Hamburg mit durchschnittlich 38 Tagen Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich. Die Finanzbeamten in Rheinland-Pfalz und Brandenburg waren ihren Kollegen aus Hamburg mit 39 bzw. 40 Tagen allerdings dicht auf den Fersen. Die Abstände bleiben auch dahinter relativ knapp, und so liegen die Abwicklungszeiten der meisten Bundesländer zwischen ca. 6 und 8 Wochen (41-56 Tage). Weit abgeschlagen liegt hingegen das Bundesland Bremen. Durchschnittlich 78 Tage mussten Steuerzahler aus der Hansestadt auf ihren Steuerbescheid warten, dennoch hat sich die Bearbeitungszeit im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Die langen Abwicklungszeiten in Bremen können auf die Zusammenlegung von drei Finanzämtern im Jahr 2013 zurückgeführt werden. Durch Umzug, Renovierung und Neuorganisation laufen die Arbeitsprozesse zum Teil noch schleppend. Die gute Nachricht: Seit Sommer 2014 bemühen sich die Bremer Verantwortlichen, bisher erfolgreich, zu den anderen Bundesländern aufzuschließen.

Was fällt auf?

Neun Bundesländer konnten sich im Vergleich zum Vorjahr bei den Bearbeitungszeiten aller Einkommensteuerfälle verbessern. Die Zeiten konnten dabei zum Teil erheblich verkürzt werden und reichten in einzelnen Fällen bis zu 20 Tage. Aber: In vier Bundesländern mussten die Steuerzahler länger auf ihren Steuerbescheid warten. Bei den Einkommensteuererklärungen der Arbeitnehmer fällt die Bilanz nicht ganz so positiv aus. Während die Finanzverwaltungen von acht Bundesländern ihre Durchlaufzeiten verbesserten, ließen sich die Finanzbehörden von sechs Bundesländern durchschnittlich mehr Zeit. Ein besonderer Fall ist Nordrhein-Westfalen. Das Finanzministerium gibt seit Jahren sowohl für alle Veranlagungsfälle, als auch für Arbeitnehmer eine pauschale Bearbeitungszeit zwischen fünf Wochen und sechs Monaten an. Eine Verbesserung kann für das Jahr 2016 daher nicht festgestellt werden. Insgesamt ist die Entwicklung für das Jahr 2016 dennoch sehr erfreulich – und die

Finanzverwaltungen vieler Bundesländer sind zurück auf alten Pfaden. Denn bis zum Veranlagungszeitraum 2010 waren viele Finanzämter wesentlich schneller als heute. Die Umstellung auf das bundeseinheitliche EDV-Verfahren KONSENS hat einiges an Kraft gekostet und die Abwicklungszeiten erst einmal verlängert.

Aufsteiger 2016:

In einigen Bundesländern konnten bemerkenswerte Ergebnisse erzielt werden. Besonders hervorzuheben sind dabei die Finanzämter aus Brandenburg. Sowohl die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten für alle Veranlagungsfälle sowie für Arbeitnehmer konnten jeweils um 10 Tage reduziert werden. Auch die Finanzbeamten aus Schleswig-Holstein haben beachtliche Erfolge erzielt. So konnte die durchschnittliche Gesamtbearbeitungszeit um 8 Tage und die der Bescheide von Arbeitnehmern um 9 Tage verringert werden. Die beiden Hansestädte Hamburg und Bremen haben sich ebenfalls deutlich verbessert. In beiden Bundesländern konnten die Durchlaufzeiten aller Einkommensteuerfälle um rund 20 Tage verkürzt werden. In Bremen machte sich dies auch

bei den Arbeitnehmern bemerkbar. So erhielten diese ihren Steuerbescheid 9 Tage früher als im Jahr zuvor.

Absteiger 2016:

In einigen Fällen konnte nicht mehr an die Bearbeitungszeit des Vorjahres angeknüpft werden. Im letzten Jahr noch auf der Top- Platzierung, brauchten die Finanzbeamten aus Baden-Württemberg nunmehr durchschnittlich 8 Tage länger. Dies war auch bei den Arbeitnehmern mit einer zusätzlichen Wartezeit von 7 Tagen spürbar. Hierfür waren u. a. Personalengpässe innerhalb der Finanzämter verantwortlich. Mit 8 zusätzlichen Tagen brauchte zudem Mecklenburg-Vorpommern deutlich länger bei der Abwicklung der Arbeitnehmerfälle. Zurückzuführen ist dies auf die Finanzamtsstrukturreform „Finanzämter 2020“, bei
der ein neues Konzept zur Zusammenlegung und Umstrukturierung der Finanzämter umgesetzt wurde. Allein durch die umzugsbedingte Serverumstellung konnten an einigen Tagen keine Bescheide bearbeitet werden, was sich wiederum auf die Durchlaufzeiten niedergeschlagen hat.

 

Der BdSt deckt auf

S

eit 2013 vergleicht der BdSt die Bearbeitungszeiten der verschiedenen Finanzverwaltungen und deckt auf, in welchen Bundesländern Steuerzahler besonders lange auf ihren Steuerbescheid warten müssen. Diese Finanzverwaltungen müssen sich mehr anstrengen, um zu den anderen Bundesländern aufzuschließen.

 

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