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Was die Stromkosten in die Höhe treibt

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ehr als die Hälfte der Stromkosten sind staatliche Abgaben. Der Staat ist der Kostentreiber und sorgt gerade
in privaten Haushalten für eine Kostenexplosion. Wo der Staat kassiert und was die Verbraucher tun können, macht der BdSt deutlich.

Ohne Strom ist ein menschenwürdiges Leben nicht mehr vorstellbar. Für jeden Haushalt und jedes Unternehmen ist Strom existenziell. Daher besteht ein großes Interesse an bezahlbarem Strom. Doch vor allem für Haushalte erreichen die Stromkosten in Deutschland eine unzumutbare Höhe. So hat sich der durchschnittliche Strompreis für Haushalte innerhalb der letzten 15 Jahre verdoppelt. Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegt er aktuell bei 28,69 Cent pro Kilowattstunde.

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ie dreiköpfige Familie Schneider verbraucht jährlich 3.500 kWh Strom. Dafür muss sie in diesem Jahr 1.004,15 Euro zahlen. Grund für die hohe Rechnung sind staatliche Zwangsabgaben auf den Strompreis, die mittlerweile über die Hälfte des Gesamtpreises ausmachen. Allein 542,85 Euro von Schneiders Rechnungsbetrag entfallen auf staatliche Abgaben.

Während die Kosten für Beschaffung, Vertrieb und Netzentgelte seit 1998 um lediglich ein Prozent gestiegen sind, erhöhten sich die staatlichen

Abgaben am Strompreis im selben Zeitraum um 281 Prozent!

Insgesamt wird der Strom mittlerweile mit acht staatlichen Abgaben belastet. Das dürfte weltweiter Rekord sein. Rechnet man die regulierten Netzentgelte hinzu steigt der Anteil der staatlich induzierten Strompreisbestandteile sogar auf 79 Prozent.

Allein 22,1 Prozent des Strompreises entfallen auf die EEG-Umlage. Im Fall der Schneiders sind das 222,39 Euro. Mit der EEG-Umlage wird der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert. Sie ist vor allem in den letzten Jahren stark gestiegen. 2009 betrug sie 1,31 ct/kWh; heute zählt sie mit 6,354 ct/kWh fast das Fünffache. Seit dem Jahr 2000 ist sie insgesamt über 3.000 Prozent gestiegen. Als weitere staatliche Abgaben kommen hinzu: die Mehrwertsteuer, Stromsteuer, Konzessionsabgabe, KWKG-Umlage, Offshore-Haftungsumlage, § 19-Umlage sowie die Umlage für abschaltbare Lasten.

Auch der europäische Vergleich zeigt die hohe Belastung der Stromverbraucher. Unter allen 28 EU-Staaten hatte Deutschland im 2. Halbjahr 2015 den zweithöchsten Strompreis für Haushalte. Nur in Dänemark war der Preis höher. Für Haushalte in Frankreich, den Nieder-landen oder Luxemburg war der durchschnittliche Strompreis z. B. um rund 40 Prozent, für Haushalte in Tschechien sogar um 56 Prozent niedriger als in Deutschland.

Nicht nur die Haushalte, sondern auch die Unternehmen leiden unter der staatlichen Stromverteuerung. Hier ist die Entwicklung sogar noch drastischer. Der Strompreis für Industrieunternehmen hat sich in den letzten 15 Jahren fast verdreifacht! Die hohen Energiekosten reduzieren die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, was zu volkswirtschaftlichen Wohlfahrtsverlusten führen kann. Dies zeigt auch der internationale Vergleich.

Im 2. Halbjahr 2015 mussten deutsche Industrieunternehmen den EU-weit zweithöchsten Strompreis zahlen. Nur für Unternehmen in Dänemark war er noch höher. Für deutsche Unternehmen ist der Strompreis somit etwa doppelt so hoch wie für ihre niederländischen und tschechischen Nachbarn.

Beim Strompreis ist somit ein ähnlicher Trend zu beobachten, wie man ihn bereits vom Mineralölpreis kennt. Auch hier macht die Energie- und Mehrwertsteuer rund die Hälfte des Benzinpreises aus. Es ist offensichtlich, dass nicht nur Benzin-, sondern auch Stromverbraucher durch staatliches Handeln übermäßig belastet werden.

Was kann der Verbraucher tun?

Der Staat muss also endlich reagieren und die Stromabgaben senken.

Doch auch der Verbraucher kann etwas tun. Der Wettbewerb macht es möglich, dass zurzeit zahlreiche Stromversorger mit unterschiedlichen Tarifen um die
Gunst der Verbraucher werben. Hinzu kommt, dass die Anbieter Wechselprämien zahlen. Daher kann der Verbraucher bei einem Wechsel seines Stromanbieters vor allem im ersten Jahr viel Geld sparen. Verbraucher sind daher gut beraten, regelmäßig die Angebote zu vergleichen. Online ist das einfach und unverbindlich möglich. Internetportale bieten einen unentgeltlichen Anbietervergleich an. Hier werden nicht nur die Ersparnis, sondern auch die Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen angezeigt. Verbraucher können Angebote auch direkt auf den Internetseiten der Stromversorger einholen. Auch der Anbieterwechsel kann grundsätzlich in wenigen Minuten einfach und unbürokratisch online erfolgen.

So will der BdSt den Strompreis drosseln

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er Staat als Treiber bei den Stromkosten ist für den BdSt inakzeptabel. Verbraucher sind vor überhöhten Stromkosten zu schützen. Der BdSt setzt sich dafür ein, die EEG-Umlage zu reduzieren. Mitte Mai betrug der Überschuss auf dem EEG-Konto 4,33 Mrd. Euro. Zwar ist gesetzlich eine Liquiditätsreserve von rund 2 Mrd. Euro vorgesehen, für darüber hinaus gehende Rücklagen gibt es jedoch keine Rechtfertigung. Das restliche Geld sollte daher an die Stromverbraucher zurückgegeben werden. Die Bundesregierung sollte zudem die Stromsteuer reduzieren. Auch eine Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Strom sollte zügig umgesetzt werden. Beim Strom handelt es sich genauso wie bei Lebensmitteln um ein lebensnotwendiges Gut. Dennoch wird Strom mit dem vollen Steuersatz von 19 Prozent und nicht mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent belastet.

1 Kommentar

  1. klebefolien 7 Monaten vor

    Vielen dank für den tollen Artikel und die ausführliche Information. Die Informationen sind ziemlich hilfreich.

    Gruß Anna

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