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Wie wir Steuerzahler belastet werden

Genau 52,9 Prozent behalten Fiskus und Sozialversicherungen in diesem Jahr vom Einkommen der Steuerzahler ein. Das heißt: Erst ab dem 12. Juli 2016 arbeiten Bürger und Betriebe in Deutschland rein rechnerisch für die eigene Tasche. Wie im vergangenen Jahr bleibt die Steuer- und Abgabenlast noch immer auf einem hohen Niveau. In den meisten anderen Industrieländern werden die Steuerzahler weit weniger belastet. Wie wenig den Bürgern nach Abzug von Steuern und Sozialversicherung zum Leben bleibt, zeigen die Berechnungen des BdSt.

Nur 47,1 Prozent bleiben in der eigenen Tasche

U

nsere Berechnungen zeigen: Von jedem verdienten Euro bleiben dem Bürger 2016 lediglich 47,1 Cent zur freien Verfügung. Denn der größere Teil – genau 52,9 Cent – gehen an den Fiskus und die sozialen Sicherungssysteme. Den Alltag der Bürger belasten die hohen Steuern und Abgaben damit spürbar.

Einkommensteuern und Sozialabgaben, Mehrwertsteuer auf Konsumprodukte und spezielle Verbrauchsteuern (wie z. B. auf Benzin, Zigaretten, Heizöl und Strom), Rundfunkbeitrag, EEG-Umlage

und kommunale Gebühren – all das geht vom Bruttoeinkommen ab. Hinzu kommen die alltäglichen Ausgaben für Lebensmittel, Kleidung oder auch Krankheitskosten. Auch die von der Bundesregierung empfohlene Altersvorsorge oder Rücklagenbildung für den Pflegefall sind nicht in der Einkommensbelastungsquote enthalten und minimieren das frei verfügbare Einkommen zusätzlich. Wie viel das ausmachen kann und welcher Haushalt welche Abgabenlast schultern muss, zeigt der BdSt an zwei konkreten Beispielen auf: In einer Dresdener Familie mit zwei Kindern arbeitet ein Elternteil und verdient

4.478 Euro monatlich brutto. Die Familie bewohnt eine 95 m² große Mietwohnung und wird mit 48,6 Prozent ihres Einkommens belastet. Hingegen muss ein Göttinger Single mit einem monatlichen Brutto-Verdienst von 6.156 Euro sogar 62,3 Prozent seines Einkommens für Steuern, Sozialabgaben und Gebühren aufwenden. Hinzu kommt die Miete für eine 70 m² große Wohnung.

Die Beispiele zeigen: Die Belastung der Einkommen ist zu hoch, um genügend finanziellen Spielraum für die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau zu haben.

so viel bleibt 2016 von einem euro

Die Belastung im internationalen Vergleich

In den meisten anderen Industrienationen ist das anders. Dort werden die Steuerzahler weit weniger belastet. Wichtige Anhaltspunkte für einen solchen Belastungsvergleich privater Haushalte liefert die jährliche Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Allerdings betrachtet die OECD nur die Belastung mit direkten Einkommensabzügen. Danach hatte der deutsche Single-Haushalt mit einem Durchschnittslohn in 2015 (47.042 Euro) die dritthöchste Belastung (49,4 Prozent) mit direkten Einkommensabzügen zu tragen. Nur in Belgien und Österreich war die Belastung noch höher. Beim Doppelverdiener-Haushalt mit zwei Kindern (100 Prozent und 33 Prozent vom Durchschnittslohn) lag die Belastung 2015 bei 38,7 Prozent, was ebenfalls den dritthöchsten Wert (hinter Belgien und Italien) innerhalb der OECD darstellt. Vor allem bei der Einkommensbesteuerung schneiden die Deutschen sehr schlecht ab. Die hohe Belastung mit direkten Einkommensabzügen hat seit vielen Jahren zur Folge, dass deutsche Steuerzahler im internationalen Vergleich zwar sehr hohe Bruttoverdienste erzielen, mit ihren Nettoeinkommen aber nur im Mittelfeld rangieren. So wendeten Arbeitgeber in Deutschland 2015 für ledige Durchschnittsverdiener die dritthöchsten Bruttoarbeitskosten innerhalb der 34-OECDLänder auf, während das nach direkten Abzügen verbleibende Nettoeinkommen nur für Rang 11 reichte.

Verantwortlich dafür sind vor allem die heimlichen Steuererhöhungen, die kalte Progression und der Solidaritätszuschlag. Wie sehr diese ungerechtfertigte

Belastung seit 2010 zugenommen hat, zeigt nicht zuletzt die Aufkommensentwicklung dieser Steuern. So steigt die Summe von Lohnsteuer und veranlagter Einkommensteuer von 2010 bis 2016 voraussichtlich um rund 77 Mrd. Euro bzw. um 48,6 Prozent. Im Gegensatz dazu sind Bruttolöhne und -gehälter gleichzeitig nur um 26,6 Prozent, das Volkseinkommen

nur um 22,4 Prozent gestiegen. Diese einkommensbezogenen Steuern sind in den vergangenen sechs Jahren also rund doppelt so schnell gestiegen wie die Einkommen selbst. Das muss sich ändern, insbesondere für die Bezieher von mittleren Einkommen, bei denen in den vergangenen Jahren ein besonderer Entlastungsbedarf aufgelaufen ist.

 


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So will der BdSt die Einkommen entlasten

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ie Berechnungen des BdSt machen deutlich: Die Belastungen der Steuerzahler sind nach wie vor auf einem zu hohen Niveau. Gerade im Bereich der Lohn- und Einkommensteuer ist der politische Handlungsbedarf offensichtlich. Das hat die Bundesregierung zwar erkannt und folgerichtig den Vorschlag des BdSt aufgegriffen, die kalte Progression abzubauen. Allerdings ist der Effekt noch nicht vollständig beseitigt. Deshalb müssen die Eckwerte des Lohn- und Einkommensteuertarifs vom Grundfreibetrag bis zur Einkommensgrenze des Spitzensteuersatzes regelmäßig an die Einkommensentwicklung angepasst, der Tarif also „auf Räder“ gestellt werden. Zudem ist der Einstieg in den Ausstieg aus dem Solidaritätszuschlag in Angriff zu nehmen, denn die Politik hatte das Schicksal des Soli stets an den Aufbau „Ost“ gekoppelt. Dieser Solidarpakt läuft 2019 aus. Der BdSt wird sich daher im anstehenden Bundestagswahlkampf für den Abbau des Solidaritätszuschlags und für Nachbesserungen imEinkommensteuerrecht einsetzen.

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